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KRANKHEIT ALS GESCHÄFT

In einer meiner schlaflosen Nächte vom 19. auf den 20. Januar 2020 kam auf Tagesschau24 eine unfassbare Dokumentation über gefährliche Medizinprodukte und den global agierenden Konzern „Medtronic“ (über 80 000 Mitarbeiter). Diese Medizinprodukte (Herzschrittmacher, Insulinpumpen, künstliche Gelenke etc.) werden mit „Gutachten“ der Hersteller solchen Firmen wie TÜV Süd oder DEKRA vorgelegt. Diese entscheiden dann auf Grundlage dieser „Gutachten“ über eine CE-Zulassung.

In dieser Doku kam auch eine Bundestagsabgeordnete der CDU zu Wort, die über zwei Jahre auf EU-Ebene vergeblich dafür gekämpft hat, dass in Zukunft amtliche Behörden über solche Zulassungen von Medizinprodukten entscheiden. Sie sagte, dass sie an einem Punkt gekommen ist, an dem sie vor Wut geweint hat.

Es war eine britische Journalistin zu sehen, die einen „Medizinprodukte-Versuch“ gestartet hat: sie nahm ein Plastiknetz, in dem Obst und Gemüse in Discountern verkauft werden, schnitt das Etikett ab und machte eine Schwarzweiß-Aufnahme davon. Dann erstellt sie ein „Gutachten“ über dieses Netz, das nun als Beckenbodennetz diente. Es mussste keine Materialprobe vorgelegt werden, sondern nur auf vergleichbare Produkte verwiesen werden. Ein Mitarbeiter der Zulassungsfirma stellte eine Zulassung dieses „Beckenbodennetzes“ IN AUSSICHT!

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Medtronic ist ein vollkommen unverantwortlich agierender und menschenverachtender Konzern: Herzschrittmacher, die keinen Herzschritt machen (von denen jedes Jahr Tausende wieder entfernt werden müssen); Insulinpumpen, die die Träger auch ins diabetische Koma versetzen können; künstliche Hüften, die durch Mikroabrieb von Titan die Träger dieser Hüften chronisch vergiften und vieles mehr. Medizinprodukte von Medtronic haben schon bei vielen Benutzern bleibende Schäden hinterlassen, es kam zu Schwerbehinderungen und Todesfällen.

Jetzt der Gipfel dieser Dokumentation: Medtronic entwickelte künstliche Bandscheiben. Eine erste Testreihe an Primaten ergab, dass diese Implantate nicht einwachsen (vom Körper dadurch als Fremdkörper wahrgenommen werden). Diese Testreihe wurde später nie mehr erwähnt. Danach gab es eine „klinische Testreihe“ an Menschen (mit unter zwanzig Teilnehmern), die nach drei Monaten von Medtronic für beendet erklärt wurde. Gezeigt wurde ein Herr (unter 50, Handwerker und Sportler), der an einem starken Bandscheibenvorfall litt und aufgrund einer Empfehlung seines Arztes an diesem Test teilgenommen hatte. Ihm wurde so eine künstliche Bandscheibe eingesetzt.

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Erst war alles wunderbar. Dieser Herr konnte auch kurzzeitig wieder Sport machen. Dann kamen plötzlich unerträgliche Schmerzen. Im Krankenhaus wurde dann in mehreren Operationen versucht, die Teile dieser zerbrochenen künstlichen Bandscheibe zu entfernen. Dieser Mann ist jetzt schwerbehindert und zeugungsunfähig und verklagte Medtronic in Freiburg. In der stattfindenden Verhandlung (nach zwei Gutachtern) meinte der Richter in der Urteilsverkündung, dass diese Bandscheibe nie eine Zulassung hätte bekommen dürfen und verurteite Medtronic auf 25 000 € Schmerzensgeld (was wirklich ein Hohn ist!).

Natürlich bezahlte Medtronic dieses Schmerzensgeld nicht (was sie mit den verfügbaren Milliarden aus der Portokasse bezahlen könnten), sondern ging in Berufung. Keine Ahnung, was daraus geworden ist. Angeblich stehen in Amerika einige Sammelklagen gegen diesen Konzern an. Ich hoffe, das danach für sie schmerzliche Schmerzensgeldsummen fließen können.

Die Zukunft ist eine undankbare Person, die gerade nur die quält, die sich recht sorgsam um sie kümmern.   Johann Nepomuk Nestroy

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