Wahrnehmung

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WAHRNEHMUNG

Wie entstehen unsere Sinneseindrücke? Die Wahrnehmung des Äußeren wird von der Gesamtheit unseres Seins im Inneren geprägt (es führen z.B. mehr Nerven vom Gehirn zum Ohr als vom Ohr zum Gehirn). Und nur ein Bruchteil der im Gehirn ankommenden Sinneseindrücke kann bewußt verarbeitet werden. Es findet eine individuelle Wahrnehmung statt, die vom Sein selektiert wird.

Die Erkenntnisfähigkeit des Bewußtseins ist von unserer Wachheit und von den erlernten und eingeübten Strukturen abhängig, die im Unbewußten und Emotionalen verankert sind. Wir können nur das erkennen, was in diese antrainierten Raster passt. Was dem nicht entspricht wird selektiv moduliert. Unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit ist also nur das bereinigte Abbild einer Interpretation der gesteuerten Sinneseindrücke. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass nicht einmal zwei Menschen eine hundertprozentig übereinstimmende Wahrnehmung von einem Ereignis haben können.

Noch subjektiver als unser Eindruck von der Welt um uns herum ist unsere Selbstwahrnehmung. Ein kleines Experiment dazu:
In einer kleine Gruppe (5 bis 10 Personen) verlässt eine Person für kurze Zeit den Raum. Die anderen sprechen sich in dieser Zeit ab und bringen der Person beim Wiedereintritt entweder tiefe Liebe und Verehrung oder Verachtung und Hass entgegen (nonverbal und ohne Handlungen). Wie ergeht es Ihnen, wenn Sie diese einzelne Person sind?

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Dieses kleine Experiment zeigt deutlich die unterschiedlichen eigene Wahrnehmungen, die durch Impulse von Außen geprägt sind. Wir sind auf entsprechende Reflektionen von unseren Mitmenschen angewiesen, um unser Selbstbildnis herzustellen.

Ein weiterer Aspekt der Wahrnehmungsverzerrungen sind unsere emotionalen Verletzungen. Sie führen uns in die selbst produzierten Dramen, die die eigene Wahrnehmung nachhaltig verändern. Durch unsere meist vorhandene Unfähigkeit, dies zu verarbeiten und aufzulösen, kommen wir in einen Bewußtseinszustand, der die Problematik ins Außen projeziert und von uns als Bestrafung oder Schicksal empfunden wird. Solange wir uns in dieser Schleife befinden, hilft uns auch kein destruktiver Perfektionismus oder pseudointuitiver Aktionismus aus dieser Falle heraus.

Das größte Geheimnis ist der Mensch sich selbst.   (Novalis)

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