Wandel

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WANDEL

In der DNS des Homo sapiens ist der Eroberungs- und Ausbeutungstrieb stark verankert. Der Pionier, der umherwandert, die Umwelt ausbeutet, was vorgefunden wird plündert und dann weiterzieht. Mit diesen Strategien haben wir verloren. Wir dürfen nicht mehr im Blindflug durch die Schöpfung stolpern. Wir leben auf einem wunderbaren, noch weitgehend unbekannten Planeten. Unsere Ignoranz und Unkenntnis des Lebens in und um uns herum ist sehr ausgeprägt.

Das sechste massenhafte Artensterben, die Ausbeutung und Verschwendung der natürlichen Ressourcen, unsere Unkenntnis der geologischen, biologischen und ökologischen Prozesse hat ein Ausmaß erreicht, das ein Wegsehen undenkbar macht. Mit unseren gewohnten (teils reflexhaften) Strategien fahren wir uns und unser Leben gegen die Wand. Wir überfordern und zerstören durch unser Handeln die Natur, an Land wie zu Wasser.

Gegenwärtig verlieren wir überall auf der Erde auf dramatische Weise Biodiversität und ganze Ökosysteme, die aber für unser Überleben unabdingbar sind. Darüber hinaus werden diese Probleme durch den Klimawandel noch verstärkt. Wir sollten erkennen, wie eng die Biosphäre mit der Geosphäre verknüpft ist und dass die Zerstörung der Ökosysteme der Erde auch uns zerstört. Unsere Hybris der Hoffnung, für alles eine technologische Lösung zu finden wird die Gesetzmäßigkeiten der Natur nicht aushebeln können.

Die weit verbreitete industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Giften, die modernen Agrartechnologien und molekulargenetischen Innovationen („Genschere“ Crispr u.a.) sind sehr weit von den natürlichen Zusammenhängen entfernt. Doch die Überbevölkerung und Ressourcenknappheit wird diese Technologien sehr schnell an Grenzen bringen, die damit nicht überwunden werden können. Es führt kein Weg an einer grundsätzlichen Änderung unserer Strategien vorbei.

Wir können nur durch nachhaltige Systeme zur Nutzung der Natur und mit ökologisch gerechten Wirtschaftsweisen das Leben erhalten. Wir brauchen neue globale Regeln zum Schutz einer vielfältigen und lebendigen Natur. Wir müssen unsere Fähigkeiten und intellektuellen Stärken zur Bewältigung komplexer Probleme einsetzen, um in weltweit kooperativer Weise nachhaltige Lösungen zu finden. Unsere anerzogenen und erlernten Verhaltensweisen sind dafür nicht ausreichend.

Wie bei dem Übergang vom Jäger- und Sammlerdasein zu der sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht brauchen wir jetzt neue und verbindliche Verhaltensnormen des Miteinanders und des Handelns. Diese bedeuten eine Begrenzung der menschlichen Aktivitäten auf ein für die Erdsysteme einschließlich der Biodiversität erträgliches Maß. Das ist jetzt das wichtigste globale Menschheitsprojekt, das die Aufmerksamkeit aller Länder, der Industrie und Wirtschaft, der Politik aber auch jedes Einzelnen erfordert.

Selbst bei einer sofortigen Umsetzung dieser großen Aufgabe sind viele Gefahren drängend: die Migrationsbewegungen (die mit den hunderten Millionen Klimaflüchtlingen der nahen Zukunft eine neue Qualität erreichen werden), die durch die Ressourcenknappheit möglichen Verteilungskriege und dadurch ausgelöstes Chaos. Hunger, Armut, Krankheiten und soziale Verwerfungen.

Es ist also unumgänglich, unsere Verdrängung, Teilnahmslosigkeit und Ignoranz zu überwinden. Durch das neue Zeitalter nimmt die Nähe der Menschen zueinander zu. Die gewohnte persönliche Strategie „WAS KANN ICH SCHON DARAN ÄNDERN?“ wird dadurch zu einem Teil des Problems. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Die Entdeckung von sozialer Kompetenz, Furchtlosigkeit, Untrennbarkeit, Zusammengehörigkeit und Resonanz ist wichtig, um zu unseren natürlichen Kräften zu kommen.

Die Zukunft ist eine undankbare Person, die gerade nur die quält,
die sich recht sorgsam um sie kümmern.
  Johann Nepomuk Nestroy